Ich bin jemand der als Spielleiter und Erzähler in seinen Pen&Paper Runden sehr viel Wert auf passende Atmosphäre legt.
Ein Weg diese zu erlangen, ist das Nutzen von Musik.
Früher habe ich mir lange Gedanken gemacht, welche Stücke zu den Szenen die ich in meiner kommenden Runde durchspielen wollte passen und diese Auswahl dann auf CDs gebrannt.
Welche dann mittels eines tragbaren CD Players und kleiner Boxen am Tisch abgespielt wurden.
Heute kann man dies natürlich auch mit einem mp3 Player, iPod, oder direckt vom Laptop erledigen. Wobei mp3 Player natürlich den Platzvorteil auf dem Tisch haben.
Laptops bergen jedoch die Möglichkeit auch andere Ressourcen, wie Handouts, Bilder und evtl. Regelwerke griffbereit zu haben.
Aber, in diesem Thread möchte ich über Musik sprechen.
Bzw. ich möchte Empfehlungen äußern, von Film-Scores und anderen Musikstücken, die ich bereits erfolgreich in Spielen eingesetzt habe. Ich würde mich aber auch sehr freuen solches von Euch zu lesen.
Habt ihr bestimmte Scores die ihr gern und wiederholt benutzt, weil sie evtl. zu einer bestimmten RPG Welt passen? Oder bestimmte Lieder und Stücke, die typische Szenen einer RPG runde besonders gut unterstreichen und verstärken?
Immer her damit!
Als Tipp möchte ich Euch noch mit auf den Weg geben, nehmt nicht den Score des letzten, oder aktuellen Blockbusters zur Hand. Zwar gibt es auch hier glorreiche Ausnahmen, aber meistens haben diese Werke einen zu großen Wiedererkennungswert, als das sie Eure Runde unterstützen könnten.
Natürlich, es ist witzig einmal am Abend, in einer besonders Waghalsigen Szene, den Spieler mit dem „Indiana Jones“ Titelthema zu belohnen und wird euch sicherlich ein paar Lacher einbringen, aber man sollte es damit auf keinen Fall übertreiben.
Jeder kennt das Star Wars Thema und jeder assoziiert damit die Abenteuer von Luke, Leia, Han und Co.. Die Spieler sollten aber nicht über deren Abenteuer nachsinnen, sondern über die eigenen.
Deshalb, so es denn nicht einer einzelnen Szene absolut dienlich ist, Finger weg von „bekannten Scores.“
Ich mache mal den Anfang, mit folgendem Klassiker der Musikgeschichte:
Peter Gabriel: „Passion – The last temptation of Christ.“
Einfach einer meiner absoluten Lieblings Hollywood Scores. Ein Meisterwerk, das unbedingt mehr Beachtung finden sollte. Und das sich ob seiner unwahrscheinlich dichten Atmosphäre einfach zur Untermalung einer Runde die in einem „Mittlerer Osten“, oder „Orient“ Setting angesiedelt ist, einfach absolut anbietet.
In diesem Score werden viele traditionelle Instrumente, wie das Duduk und Sitars benutzt, die einen Klangteppich ergeben, der schon beinahe den trockenen Wüstensand spürbar macht.
Subtil unterstützt durch moderne Klangeffekte und Klänge fühlt man sich bei dieser CD in ein Märchen versetzt, das jedoch Kraft- und Machtvoll daherkommt. Eher eine Epische Sage, denn ein Märchen. Dumpfe Trommeln, aufgehellt durch fantastische Stimmen, die jubelnd oder Klagend in die treibenden Rythmen einstimmen, ohne jedoch den Anschein eines „Tanz-Albums“ zu erwecken.
Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle das beinah Acht Minuten lange Titel gebende Thema „Passion“. Langsam und geheimnisvoll rauscht es wie ein Windhauch über der Wüste aus den Boxen. Zärtlich und zugleich fordernd, setzt Jussou N´Dours wunderbare Stimme ein, die simpel aber doch deutlich die „Leidenschaft“ der Szene zwischen Jesus und Maria Magdalena untermalt. Die diesem Film so viel Lob und Schelte gleichermaßen einbrachte. Manchmal wird die männliche Stimme von einem klaren, weiblichen Sopran überlagert, der ebenso wortlos seinen Kontrapunkt setzt und doch in völliger Harmonie der beiden Stimmen liegt, die sich schließlich zu einem gemeinsamen, rauschenden „Höhepunkt“ vereinen.
Das ganze Album enthält Musik mit denen man eine Runde in „Arabisch angehauchten“ Settings wunderbar untermalen kann und für beinah jeden Anlass findet sich etwas.
Seien es Liebe, Trauer, Schmerz, oder pures Glück das ihr ausdrücken wollt. Hier findet sich alles.
Im ,stimmungsmäßig, krassen Gegensatz dazu steht der von Chris Vrenna komponierte Score zu „America McGee's, Alice“
Die vom Nine Inch Nails Frontman erdachte Musik ist verstörend und bizarr. Voller Geräusch und Gezeter, untermalt mit dem ewigen Tick Tack von Uhren und dem wahnsinnigen Gebrabbel des Hutmachers und des Märzhasen.
Dieser Score eignet sich hervorragend um Spieler und Charaktere gleichermaßen zu verstören.
Unweigerlich läuft es einem bei manchen Kompositionen kalt den Rücken herab und z.B. in einer Irrenanstallt, einem seltsamen, verlassenen Dorf, oder eben im „Wunderland“, erzeugt diese Musik eine Stimmung am Tisch die sich nur schwer ignorieren lässt.
Amelodisch und Atonal brechen sich manche Suiten ihren Weg in die Hirnwindungen und scheinen dabei die Gehörgänge glatt zu umgehen. Und wer sich nicht erschreckt, wenn mit unter die „Grinsekatze“ laut Fauchend ihrem Missmut kund tut, der muss schon ganz schön abgebrüht sein.
Ein klassisch, heroischer Fantasy Score ist „Beowulf“ von Alan Silvestri.
Die klassische Geschichte von Gut und Böse und dem Leben und Leiden, des beinah unbesiegbaren und glorreichen, doch auch ach so menschlichen Helden, ist untermalt mit wunderbaren Chören und kraftvollen Trommeln und Belchbläsern, die das Heldenherz höher schlagen lassen. Die spärlich aber sehr wirkungsvoll eingesetzte E-Gitarre setzt hervorragende Akzente unter den stampfenden Männer- und Frauenstimmen die von großen Taten künden und den Hörer mitreißen in die Sagenwelt.
Robin Wright Pen, die hier selbst das zärtliche „Hohenlied“ auf den Helden intoniert, soll einmal gesagt haben: „Diese Musik sucht ihres Gleichen. Sie macht ebenso viel des Filmes aus, wie die fantastischen Bilder.“
„Beowulf slays the Beast“ untermalt hervorragend den finalen Kampf gegen den übermächtigen Gegner der in den meisten Fantasy Runden ja nun mal auf die Helden wartet. Donnernd und treibend reißt es die Gruppe zu heldenhaften Taten hin und ist mit 6 Minuten auch gut geignet als Loop im Hintergrund zu laufen, damit die Stimmung auch erhalten bleibt.
So, was habt ihr anzubieten?
Ich freue mich auf eure Vorschläge
CU
SaM
Beitrag wurde am 16.02.2010 vom Verfasser bearbeitet

